Geheimnisvolle römische Grabkammern, türkische
Kuppelmoscheen, schlanke Minarette, kunstvolle Keramiken
aus Zsolnay, grandiose Gemälde Csontvárys,
dekorative Vasarely-Muster, früh blühende
Mandelbäume, gemütliche Lokale und Cafés
- das ist Pécs (Fünfkirchen).
Das annährend 2000-jährige Stadt mit der
mediterranen Atmosphäre
liegt an den südlichen Ausläufern des Mecsek-Gebirges
und ist seit 1009 Bischofssitz. Der Weg zum Panorama
Gipfel des 525 Meter hohen Berges Misina
führt an den wunderschönen Häusern
der steilen Altstadtgasse (Tettye) vorbei. Nach einer
Wanderung auf den markierten Routen des Mecsek-Parkwaldes
kann man in den Weinbergen die berühmten Weine
der Region verkosten, während auf dem Marktplatz
häufig reges Treiben herrscht. Jeden ersten Samstag
im Monat werden dort Antiquitäten feilgeboten
und an den Wochenenden sind hier Folklore- und Gebrauchtwagenmärkte
angesagt. Sonntags kommen Tierhändler hinzu.
Zu römischen Zeiten war
Pécs alias Sopiane ein wichtiges Zentrum des
frühen Christentums. Das bedeutende Baudenkmal-Ensemble
aus dem 4. Jahrhundert besteht aus einer Begräbnisstätte
mit 16 Bauwerken, deren einmaliger Wert von der UNESCO
gewürdigt wurde, indem 2000 in der Liste des
kulturellen Erbes der Menschheit Aufnahme fand. Bei
sieben der Bauwerke sind die Ausgrabungen bereits
im Gange, zwei davon wurden schon freigelegt und sind
für Besucher zugänglich. Das beutendste
Das beutendste Denkmal hiervon sind die altchristlichen
Grabkammern (Szent István tér), wo man
in der bemalten Grabkammer ein Christusmonogramm und
die Überreste von drei Sarkophagen freigelegt
hat.

Auf dem Domplatz
befindet sich die Basilika mit ihren vier Ecktürmen
- seit 1993 im Range einer "Basilica
Minor". In Ungarn gilt sie als
Zeugnis hochwertiger mittelalterlichen Kunst. Ihre
Nebenkirche mit fünf Schiffen aus dem 11. Jahrhundert
ist eine der ersten christlichen Kirchen Ungarns.
In den Seitenkapellen und in der Sakristei werden
kostbare Kunstschätze und die Fresken von den
großen ungarischen Malern Bertalan Székely
und Károly Lotz aufbewahrt. Die Kirche wude
im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Die Überreste
der mittelalterlichen Skulpturen und Steinmetzarbeiten
kann man im Lapidarium der Basilika besichtigen (Dóm
tér). Vom Renaissanceerker des Bischofspalais
"blickt" die Statue von Franz Liszt direkt
auf den Domplatz. In der Nähe steht die Barbakane
(Esze Tamás u. 2), eine runde Bastion, die
dem Schutze der Bischofsburg diente.

Selbst die Türken haben
hier Relikte aus ihrer 150-jährigen Besatzungszeit
hinterlassen und zwar die "Djami"
(Moschee) des Paschas Ghasi Kasim (Széchenyi
tér), welche mit ihrer auffällig grünen
Kuppel das Stadtbild prägt, mit "Mhirab"
(Gebetsraum in Richtung Mekka stehend) und Bogenfenstern.
Sie dient heute als katholische Kirche. Die Moschee
des Paschas Jakowali Hassan (Rákóczi
u. 2) ist das am besten erhaltene mohammedanische
Bauwerk in Ungarn. Der Gebetsraum dient als Museum
und zeigt türkische Geschichts- und Kunstgegenstände.
Daneben steht ein 23 Meter hohes Minarett. Das Grabmal
(Türbe) des Idris Baba (Nyár u. 8) auf
dem Rókus-Hügel gilt
als türkischer Wallfahrtsort. Die Überreste
des Bades von Pascha Memi (Ferencesek u. 35) wurden
zu einem Bädermuseum umfunktioniert.
Auch aus der Barockzeit blieb
Bedeutendes erhalten. So die Einrichtung der Kirche
und des Klosters des Franziskanerordens (Ferencesek
utcája 35), welche als Meisterwerk der Mönche
einzustufen sind. Die Lyzeumskirche
und das ehemalige Ordenshaus der Pauliner
(Király u. 44) sind wohl die schönste
Bauwerke. Ebenso die Allerheiligenkirche (Mindenszentek-templom,
Tettye utca) und das benachbarte Karmeliterkloster.
Die 1691 von Überlebenden der Pest errichtete
Liebfrauenkapelle von Havihegy ist
ebenfalls beachtenswert. An der Kirche Sankt
Augustin (Ágoston tér) sind
noch die Bogenfenster der ehemaligen Moschee erkennbar.
Die Kirche der barmherzigen Brüder
(Széchenyi tér 5) hat eine eklektische
Fassade und besitzt mit Intarsien verzierte Altäre.
Ein Touristenmagnet der Stadt ist das Zsolnay
am Hauptplatz (Széchenyi tér), ein Prachtstück
des Jugendstils mit der typischen Eosin-Glasur lokaler
Majoliken.

In der Straße Káptalan
utca reihen sich die Museen aneinander. Haus
Nr. 2 präsentiert ein Zsolnay-Ausstellung mit
den typischen Epochen des weltbekannten Zsolnay-Porzellans.
Darunter befinden sich sich die anlässlich der
Pariser Weltausstellung im Jahre 1878 mit der Goldmedaille
ausgezeichneten Exponate sowie das Zsolnay-Gedenkzimmer.
Im unteren Geschoss ist das Lebenswerk des bekannten
ungarischen Bildhauers Amerigo Tot
ausgestellt, während man im anderen Teil des
Hauses die Steinmetzarbeiten der Renaissance aus Pécs
und Umgebung im Renaissance-Lapidarium bewundern kann.
Im Haus Nr. 3 wurde Victor
Vasarely, der Bahnbrecher der Op-Art und
der abstrakten Geometrie geboren. Neben seinen Werken
sind hier auch Ausstellungen anderer renommierter,
zeitgenössischer Künstler zu besichtigen.
In den Kellern des Hauses wurde eine interessante
Ausstellung über die Bergwerksgeschichte
im Mecsek-Gebirge eröffnet.
Das Haus Nr. 4 beherbergt
die moderne ungarische Galerie mit Arbeiten bildender
Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts. Drei große
ungarische Künstler des 20. Jahrhunderts erhielten
je ein eigenes Museum: Haus Nr. 5 mit 250 abstrakten
und surrealistischen Werken von Endre Nemes.
Das Museum für die Künstlerin Erzsébet
Schaár präsentiert ihre letzten
Skulpturenkompositionen unter dem Titel "Straße".
Haus Nr. 6: Hier werden Gemälde, Grafiken und
Skulpturen des ersten ungarischen Vertreters der non-figurativen
Kunst, Ferenc Martyn, gezeigt. Die
einzigartige Kunst einer großen Persönlichkeit,
die es geschafft hatte, Romantik, Symbolismus und
Expressionismus in den grandiosen Werken zu vereinen,
stammt von Tivadar Csontváry Kosztka,
dessen Lebenswerk im Neorenaissancepalast des
Csontváry-Museums (Janus Pannonius
u. 11) zu sehen ist.
Die Ausstellungen im Museum
Janus Pannonius präsentieren Exponate
der Volkskultur verschiedener Nationalitäten
des Komitats Baranya. Die ethnographische
Ausstellung (Rákóczi u. 15)
zeigt das bunte Gemisch der hiesigen Nationalitäten
- Deutsche - und Südslawen - die archäologische
Ausstellung (Széchenyi tér 12) präsentiert
die antiken Funde der Gegend bis zur Landnahme. Die
naturwissenschaftliche Ausstellung (Szabadság
u. 2) stellt Flora und Fauna des Mecsek-Gebirges
und der Umgebung vor.
Das Museum für
Stadtgeschichte (Várostörténeti
Múzeum, Felsőmalom u. 9) bringt den Besuchern
die letzten 200 Jahre der Stadtgeschichte von Pécs
näher. In der Synagoge (Kossuth
tér) haben 1000 Gläubige Platz, die Orgel
ist ein Meisterwerk der Firma Angster aus Pécs.
